Deshalb ein paar Worte zu den Apfelschnecken, die ich zur Zeit in keinen meiner Aquarien pflege (das wird sich aber bald wieder ändern).

Bei der Apfelschnecke, die ich ein bißchen näher beschreiben möchte, handelt es sich um die am häufigsten gepflegte Art mit dem lateinischen Namen Ampullarius gigas. Apfelschn_04Sie wird im ausgewachsenen Stadium ca. 6 cm im Durchmesser und stammt aus den tropischen Bächen, Seen und Tümpeln in Mittel- und Südamerika sowie aus Südostasien.

Das Wasser in unseren Aquarien sollte von guter Qualität sein und höchstens 19° bis 23° dH aufweisen. Ein häufiger Wasserwechsel (1x die Woche 1/3 des Inhalts) führt deshalb zu deutlich besseren Lebensbedingungen unserer Pfleglinge. So richtig wohl fühlen sich unsere Schnecken aber nur, wenn sie die richtigen Mitbewohner vorfinden.Apfelschn_01 Die Fische sollten nicht zu groß und friedlich sein, da sie sonst an den Fühlern oder dem Atemrohr knabbern. Dies wäre zwar nicht so schlimm, weil diese wieder nachwachsen, doch wer wird schon jeden Tag auf diese Art und Weise geärgert. Tatsächlich führen solche Belästigungen dazu, daß sich die Schnecken nur noch mit eingezogenen Organen fortbewegen. Daß sie sich aber nicht gerade wohlfühlen dabei, kann man sich ja eigentlich ganz gut vorstellen.Grundsätzlich ist dieses Tier aber das friedlichste und eines der nützlichsten Aquarienbewohner, welches man sich vorstellen kann. Sie belästigen selbst frisch geschlüpfte Jungfische nicht und fressen das auf dem Boden abgesunkene Futter. Auch Algen, Spinat oder gekochte Eier werden dankbar angenommen. Bevorzugt wird pflanzliches Futter, aber auch tote Fische gehören zur Speisekarte. Apfelschn_03Sie sind somit auch für die Aquarienhygiene ein unerläßlicher Bestandteil, warum nicht auch in unseren Aufzuchtbecken?

Nun aber auch ein paar Bemerkungen zur Zucht. Geschlechtsunterschiede unter den fortpflanzungsfähigen Tieren sind nicht bekannt. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht sind eine gute und abwechslungsreiche Fütterung, ein abgesenkter Wasserspiegel auf ca. 10 cm Höhe und eine gutschließende Abdeckscheibe, um die erforderliche Luft- feuchtigkeit im Aquarium zu halten und zu erhöhen. Abgelaicht wird ausschließlich nachts und ausserhalb des Wasserspiegels. Apfelschn_05Sollte das abgelegte Eipaket ins Wasser fallen, so ist die Brut verloren. Ampullarius Gigas legt längliche, kalkharte Eipakete von rosa Farbe ab. Die Schlupfzeit ist sehr variabel und hängt von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Es kann bis zu 4 Wochen dauern, bis sich die meist über 100 Jungschnecken durch die klare, zähe und gelantieneähnliche Masse und die Kalkschale fressen.

Als Besonderheit möchte ich noch aufführen, daß die Schnecke trotz vorhandener Kiemen auch atmosphärische Luft atmen muß. Je nach Größe klettert sie alle 1 - 4 Stunden an die Wasseroberfläche, um zu atmen. Deshalb sollte das Aquarium nicht zu hoch sein, da ja unsere Schnecke nicht gerade ein Sprinter ist. Interessanterweise ist es aber für die Jungschnecken bis zu 1 cm nicht notwendig, sich zur Wasseroberfläche durchzuschlagen. Ich konnte diesen Vorgang  jedenfalls nicht selbst beobachten.

Ein weiteres Problem ist auch die Versorgung unserer Jungschnecken mit dem zur Gehäusebildung notwendigen Kalk. Deshalb sollten die nach Kräften heranwachsenden Tiere in größeren Aquarien gehalten werden, um die Gefahr eines plötzlich auftretenden pH- Sturzes zu vermeiden. Sie entziehen nämlich dem Wasser den notwendigen Kalk, so daß bei einem zu weichen Wasser (weniger als 10o dH) die Gefahr von Gehäuseschäden (Löcher, dünne Schalen) aufgrund einer Unterversorgung besteht.

Werden aber all diese Grundsätze berücksichtigt, hat man an diesen ruhigen und irgendwie doch eleganten Aquarientieren viel Freude. Apfelschn_02
Neben der von mir beschriebenen Apfelschnecke Ampullarius gigas sind derzeit noch zwei Arten bekannt:
Ampullarius scalaris
Ampullarius australis

Ich hoffe, mit diesen Beitrag Ihr Interesse für die Ampullarius gigas geweckt zu habe.

Text: Jürgen Kraus
Fotos: Wolfgang Haschke
A.T.V. Schwandorf
   
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